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Ciao Agnese Borsellino, wir werden bis zum letzten Tag kämpfen PDF Stampa E-mail
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Scritto da ed2murrow   
Domenica 19 Maggio 2013 16:38
Rilanciamo dal sito 19luglio1992.com la traduzione del post 'Ciao Agnese' firmato da Salvatore Borsellino che il blogger tedesco ed2murrow, cresciuto in Italia e trasferitosi in Germania, ha tradotto in lingua tedesca e pubblicato sul BLOG 'Die Ausrufer'. Ringraziamo di cuore ed2murrow per questa traduzione.

Redazione 19 luglio1992.com - 19 maggio 2013


Ciao Agnese

Ich habe Lucia gebeten, ihr ein Foto von Paolo in die Hände zu legen, und daneben habe ich ein Bild ihrer Hochzeit gegeben, weil ich weiß, dass sie so ihre letzte Reise hätte antreten wollen: Arm in Arm mit ihrem Paolo, dem jungen Staatsanwalt den sie nicht ganz zufällig sechs Monate vorher in der Kanzlei ihres Onkels, des Notars Furitano getroffen hatte.

So habe ich sie kennen gelernt, in ihrem Brautkleid, am Tag ihrer Hochzeit. Als ich wegen meines Wehrdienstes fort musste, zuerst für neun Monate als Offiziersanwärter und dann sechs Monate in Sardinien als Unterleutnant, hatte Paolo sie noch nicht getroffen. Zu der Zeit war er auch nicht verlobt, während ich, es war das Jahr 1968 und mit meiner späteren Frau schon seit Jahren verlobt, unsere Hochzeit auf den 22. Dezember festgelegt hatte. Aber kaum zurück erfuhr ich, dass Paolo seine Hochzeit auf den 23. Dezember gelegt hatte, so dass ich als der jüngere Bruder die unsere auf den 4. Januar verlegen musste, auf das Ende seiner Hochzeitsreise hin.
Paolo hätte der Trauzeuge meiner Frau sein sollen, aber er und Agnese waren an dem Tag verspätet, und meine Frau bat meine Schwester Rita, für ihn einzuspringen. Wir sind dann auf Hochzeitsreise gegangen, was in Wahrheit nicht mehr war als unser Fortzug von Palermo nach Borgofranco d’Ivrea, die Stadt die wir ausgesucht hatten auf der Flucht vor Palermo, wo ich mit meinem Ingenieurstitel nie Arbeit gefunden hätte und wo wir unsere Kinder nicht aufwachsen lassen wollten; so dass die Augenblicke selten wurden, um Agnese zu sehen und sie besser kennen zu lernen.

Die ersten Erinnerungen blieben also verbunden mit ihrem weißen Hochzeitskleid, in dem sich sie am Arm meines Bruders gesehen hatte, in der Kirche der Magione, wo sie geheiratet haben und die so klein war, dass man kaum Platz fand und an das Hotel Villa Igea in Palermo, in das ich bis dahin nie den Fuß gesetzt hatte.

Später, in den zwanzig Jahren danach, gab es nur wenige Gelegenheiten, sich zu sehen, drei oder vier Mal im Jahr, wenn ich nach Palermo musste, Paolo in seine Arbeit vertieft, ich in die meine, bis zum Weihnachten ’91, als wir, ich glaube es war das erste Mal, zusammen eine Woche in den Bergen verbrachten, in Andalo in Südtirol.

Und dann der 19. Juli ’92, der Tag der das Leben von Paolo forttrug und das Leben von uns allen für immer veränderte. Um so mehr nun die Anlässe, uns mit Agnese und den Kindern von Paolo zu treffen; und Paolo selbst, der mehr denn je im Mittelpunkt unserer Gedanken, unserer Worte und des Alltäglichen stand. Agnese sagte mir, dass die Wahrheit über den Tod von Paolo nie ans Licht kommen könne, weil sonst das gesamte Land in die Luft fliegen würde. Und Agnese erzählte mir, dass sie viele Dinge gar nicht sagen dürfe, weil sie Angst um ihre Kinder hatte, weil sie Angst hatte, dass man ihnen Böses zufügen würde nachdem man ihr bereits den Mann getötet hatte.

Dann der Tod von Mutter, die uns noch fünf Jahre ihres Lebens geschenkt hatte, um sich dann zu Paolo zu gesellen, so wie sie es an dem Tag hätte tun wollen, als sie nach dem Schellen der Türglocke die Explosion hörte, die ihr den Sohn nahm; und die Jahre meines Schweigens, als ich jeder Hoffnung beraubt nicht einmal mehr in der Lage war, auch nur für ein paar Tage nach Palermo zurück zu kehren.

Schließlich die Jahre der Wut, als ich mit meinen Roten Notizbüchern zurück in meine Stadt kam, zu verhindern, dass Geier weiterhin wie an jedem 19. Juli die Via d’Amelio schänden, um sich zu vergewissern, dass Paolo auch wirklich tot ist. Vielleicht hat auch sie mich anfangs für einen Verrückten gehalten. Man muss verrückt sein in diesem unseren Land der Gauner, wenn man weiterhin nach Gerechtigkeit und Wahrheit sucht; um Jugendliche dazu zu bringen, zu hunderten ein rotes Büchlein zu schwenken und dabei zum Widerstand aufzurufen; um von einer Verhandlung zu sprechen, die den Tod von Paolo verursacht oder beschleunigt hatte, während alle anderen das in Abrede stellten; um gegen die Lügen eines ehemaligen Ministers beharrlich zu bleiben, bis er auf der Anklagebank wegen falscher Zeugenaussage sitzt, in einem Prozess zu jenen Verhandlungen zwischen Staat und Mafia, die nun nicht mehr angebliche oder eingebildete sind.

Aber dann habe ich Agnese immer näher gefühlt, da ihre Worte bei allem Respekt vor den Institutionen, der ihre Taten und Worte inspirierte, in dem Maße erstarkten wie die entsetzliche Krankheit, die sie seit drei Jahren aufzehrte und zu einem Martyrium verurteilte, das erst am Morgen des fünften Mai geendet hat.

Die Kraft, die von der Person ausging, von ihrer Stimme, wenn sie in einem Sessel am Eingang ihres Hauses saß, weil die Krankheit ihr das Stehen unmöglich machte und um die Jugendlichen zu sehen, die nach einer Demonstration für Nino di Matteo in die Via Cilea gekommen waren, um Agnese ihre Zuneigung zu bezeugen, war so groß, dass wir zitterten und sich unsere Augen mit Tränen füllten.

Dafür wollte ich Dir danken, Agnese, in der Kirche wo wir dir den letzten Gruß entboten haben, wie wir vor einundzwanzig Jahren von deinem Paolo Abschied genommen haben: Für die Kraft, die von dir kommt, für deine Worte zu den Schlachten, die wir noch schlagen müssen. Ich wollte dir nur ein paar Worte sagen, aber in der Kirche, bei einer Beerdigung die wir nur für die Familie und Menschen haben wollten, die dich wirklich mochten, waren Leute, die dort nicht hätten sein sollen und die die Plätze in der vordersten Reihe besetzten, um besser von den Kameras aufgenommen zu werden.

Hätte ich gesprochen -du weißt es, ich bin verrückt- dann hätte man mich nicht mehr zu Schweigen gebracht, und das hätte deine Ruhe gestört, so dass ich dir die Worte jetzt sage: Ciao Agnese, für die Wahrheit und für die Gerechtigkeit werden wir, das versprechen wir dir, bis zum letzten Tag unseres Lebens kämpfen.


Salvatore Borsellino

[erschienen am 7. Mai 2013 auf 19luglio1992.com mit Bebilderung, am 8. Mai dJ. auf dem Blog des Autors bei Il Fatto Quotidiano. Die Hervorhebungen im Text folgen denen des Blogs. Mit ausdrücklicher und freundlicher Gestattung von Salvatore Borsellino, aus dem Italienischen übertragen von ed2murrow]








Basilica La Magione (Palermo)



Palermo - 19. Juli 20012


[Anmerkungen zum Verständnis:

Agnese Borsellino, geborene Piraino Leto, Witwe des ermordeten Paolo Borsellino, ist am 5. Mai 2013 in Palermo im Alter von 71 Jahren gestorben. Sie hinterlässt drei Kinder, Lucia, Manfredi e Fiammetta. Ihre letzten öffentlichen Worte, im Oktober des vergangenen Jahres gesprochen, waren an Palermo gewandt: „Diese Stadt muss wieder auferstehen, Sie muss noch auferstehen.“

Salvatore Borsellino, geboren am 11. April 1942, ist der jüngere Bruder von Paolo Borsellino. 2009 hat er in Palermo zusammen mit dem Anti-Mafia-Komitee „19 Juli 2009“ den ersten „Marsch der roten Notizbücher“ organisiert, aus dem die gleichnamige Bewegung hervorgegangen ist.

Paolo Borsellino, geboren am 19. Januar 1940, war Ermittlungsrichter und Staatsanwalt mit Schwerpunkt in der Mafiabekämpfung. Zusammen mit Giovanni Falcone, Rocco Chinnici, Giuseppe Di Lello, Leonardo Guarnotta, Giovanni Barrile und den zwei Angehörigen der Staatspolizei Antonino Cassarà und Giuseppe Montana bildete Borsellino 1980 den ersten veritablen „Anti-Mafia-Pool“ auf sizilianischem Boden. Wie Falcone (23. Mai 1992, Massaker von Capaci), Chinnici (29. Juli 1983), Cassarà (6. August 1985) und Montana (28. Juli 1985) wurde auch Borsellino von der Mafia ermordet (19. Juli 1992, Massaker in der Via d’Amelio, Palermo). Mit dem Ermittlungsrichter starben die Mitglieder seiner Eskorte Agostino Catalano, Claudio Traina, Emanuela Loi,
Vincenzo Li Muli und Walter Cosina.

Das rote Notizbuch: Nach der Ermordnung von Borsellino blieb dessen rotes Notizbuch („agenda rossa“) verschwunden, obwohl der Richter es stets bei sich zu tragen pflegte. Darin hielt Borsellino gewohnheitsmäßig Gedanken zu seinen Ermittlungen fest. Darauf baut die Hypothese auf, dass das Verschwinden der Aufzeichnungen Teil des Attentatsplanes war. Es ist zum Symbol der vielen Ungereimtheiten und Ermittlungspannen und damit gegen eine Regie geworden, die mehr gewesen sein könnte als die zur Beseitigung eines der Mafia gefährlichen Ermittlers. Dem ist die Anti-Mafia-Bewegung der „agende rosse“ gewidmet, die sich u.a. über die Web-Präsenz http://www.19luglio1992.com/ artikuliert.

Nino Di Matteo, Jahrgang 1961, ist Staatsanwalt und Ermittlungsrichter in Palermo, der u.a. in jüngerer Zeit für die Wiederaufnahme der Ermittlungen zu den Ermordungen von Falcone und Borsellino mitverantwortlich zeichnet. Hierbei konzentrieren sich die Fragen darauf, ob es vor oder nach den Ermordungen von Falcone und Borsellino zwischen Teilen staatlicher Organe und der Mafia Verhandlungen gegeben haben könnte. Verwickelt darin soll auch ein höchstrangiger ehemaliger Minister sein, der bis heute in Abrede stellt, Borsellino am 1. Juli 1992 (knapp drei Wochen vor dem Mordanschlag) in seinem Amtszimmer in Rom empfangen zu haben. Der Prozess gegen ihn wegen falscher Zeugenaussage im Rahmen der Ermittlungsverfahren soll am kommenden 27. Mai beginnen. Nino Di Matteo ist in den letzten Jahren ständig zunehmenden Todesdrohungen sowie Druck des römischen Justizapparates ausgesetzt. e2m]




Ciao Agnese


Ho chiesto a Lucia di metterle tra le mani una foto di Paolo e le ho messo vicino la foto del loro matrimonio perchè so che è così che avrebbe voluto affrontare il suo ultimo viaggio, al braccio del suo Paolo, quel giovane magistrato che aveva incontrato, per un caso non del tutto fortuito, appena sei mesi prima di quel giorno nello studio di suo zio, il notaio Furitano.
Io la conobbi per la prima volta così, nel suo abito da sposa, il giorno del loro matrimonio.
Quando partii per il servizio militare, nove mesi a Roma da allievo ufficiale e sei mesi in Sardegna da sottotenente, Paolo non la la aveva ancora incontrata.
Allora lui non era nemmeno fidanzato e io, era il 1968, insieme a quella che sarebbe diventata mia moglie, eravamo fidanzati da anni, avevo fissato la data del nostro matrimonio per il 22 dicembre.
Ma poi, appena tornato, seppi che Paolo aveva fissato il suo matrimonio per il 23 dicembre e allora io, ero il fratello minore, dovetti spostare il nostro al 4 di gennaio, al ritorno dal suo viaggio di nozze. Paolo avrebbe dovuto essere il testimone di mia moglie, ma lui e Agnese quel giorno arrivarono tardi e mia moglie dovette all'ultimo momento chiedere di sostituirlo a mia sorella Rita.
Poi noi partimmo per il nostro viaggio di nozze, che fu in realtà soltanto il nostro trasferimento da Palermo a Borgofranco d'Ivrea, la città dove avevamo scelto di vivere per fuggire da Palermo, una città dove io, con la mia laurea in Ingegneria, non avrei mai potuto trovare un lavoro e dove non volevamo far nascere e crescere i nostri figli, e così rari furono poi i momenti e le occasioni in cui potei incontrare e conoscere meglio Agnese.
I miei primi ricordi di lei restarono così legati a quel suo abito da sposa bianco con il quale la avevo intravista al braccio di mio fratello in quella chiesa della Magione nella quale si sposarono e nella quale si riusciva appena ad entrare, suo padre era il presidente del Tribunale, e in quel meraviglioso hotel di villa Igea a Palermo nel quale io, fino ad allora, non avevo mai messo piede.
Poi, nei venti anni successivi, non troppe le occasioni di incontrarci, tre o quattro volte l'anno, quando tornavo a Palermo, Paolo assorbito dal suo lavoro, io dal mio, fino al Natale del 91, quando, credo fosse la prima volta, passammo una settimana insieme in montagna, ad Andalo, nel Trentino.
E poi il 19 luglio del '92, quel giorno che portò via la vita di Paolo e cambiò per sempre la vita di tutti noi.
Con Agnese e con i figli di Paolo allora tante più occasioni per vederci, con Paolo che, adesso più che mai, era al centro di tutti i nostri pensieri, di tutte le nostre parole, di tutte le nostre azioni.
E Agnese che mi diceva che la verità sulla morte di Paolo non sarebbe mai potuta venire alla luce, perchè altrimenti sarebbe saltato in aria l'intero paese. E Agnese che mi diceva che tante cose non poteva dirle perchè aveva paura per i suoi figli, perchè aveva paura che dopo averle ucciso il marito potessero fare dal male anche a loro.
Poi la morte di mia mamma che, dopo averci regalato ancora cinque anni della sua vita andò a raggiungere Paolo, come avrebbe voluto fare il giorno stesso che, dopo il suono del campanello, sentì quell'esplosione che le portava via il figlio, e i miei anni di silenzio quando, persa la speranza, non riuscivo neanche più a tornare solo che per qualche giorno a Palermo.
E infine gli anni della rabbia quando, con le mie Agende Rosse, tornai nella mia città per impedire che via D'Amelio continuasse ad essere profanata dagli avvoltoi che venivano in quella via, ogni 19 luglio, per accertarsi che Paolo fosse veramente morto.
Forse anche lei mi avrà preso per pazzo, all'inizio. Bisogna essere pazzi in questo nostro disgraziato paese per continuare a cercare Giustizia e Verità, per trascinare centinaia di giovani che alzano in aria un'agenda rossa e gridano RESISTENZA arrampicandosi su per le rampe del monte Pellegrino fino al castello Utveggio, per continuare a parlare di un trattativa che ha accelerato o determinato la morte di Paolo quando tutti la negavano, per ostinarsi a contestare le menzogne di un ex ministro fino a vederlo sul banco degli imputati in un processo proprio su questa trattativa, non più pretesa, non più fantomatica, con l'accusa di falsa testimonianza.
Ma poi, a poco a poco, nella parole di Agnese che diventavano sempre più forti man mano che il tremendo male che l'aveva aggredita ormai da tre anni la consumava sempre di più condannandola ad un martirio che ha avuto fine solo alla mattina del cinque di maggio ho sentito, pur nel profondo rispetto delle Istituzioni che ha sempre ispirato i suoi gesti e le sue parole, di averla vicina come non la avevo mai sentita.
La forza che ho sentito emanare dalla sua figura, dalla sua voce voce quando, nell'androne del suo palazzo, sulla sedia dalla quale il suo male non le permetteva più di alzarsi, ha voluto incontrare i giovani che, dopo avere manifestato per Nino Di Matteo, hanno voluto andare in via Cilea per manifestare ad Agnese il proprio affetto, era tale da farci tremare e riempire gli occhi di lacrime.
Di questo volevo ringraziarti, Agnese, nella chiesa dove ti abbiamo salutato per l'ultima volta come ventuno annua fa avevamo salutato il tuo Paolo, della forza che potremo prendere da te, dalle tue parole, per le tante battaglie che dovremo ancora combattere.
Volevo dirti soltanto poche parole, ma in quella chiesa, in un funerale che avevamo chiesto fosse soltanto per i familiari e per la gente che ti voleva davvero bene, c'erano delle persone che non avrebbero dovuto essere lì e che avevano occupato i primi posti, quelli dove si viene meglio ripresi dalle televisioni.
Se avessi parlato, tu lo sai, io sono pazzo, non sarei riuscito a tacere e ti avrei turbato e allora quelle parole te le dico adesso: Ciao Agnese, per la Verità e per la Giustizia, te lo promettiamo, combatteremo fino all'ultimo giorno della nostra vita.

Salvatore Borsellino (7 maggio 2013)





















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